Am Anfang aller Zeit - Fortsetzung “Happy End ohne Verzögerung”
29. März 2008 von zauberliebe
Nach einiger Zeit spürte sie eine Hand, die ihr vorsichtig über den Rücken streichelte. Leise hörte sie ihn sagen: „Ich schaff es nicht … ich kann nicht weggehen … ohne Dich ….“ Sie hob den Kopf und sah ihn an. „Ich hatte wirklich gedacht, Du wärst einfach so gegangen … und unsere Liebe hätte Dir gar nicht so viel bedeutet wie mir.“ Seufzend lehnte sie sich an ihn, und nachdem sie lange Zeit dort schweigend gesessen hatten, sagte sie:. „Wir haben doch unsere heimlichen Stunden … jeden Tag die Vorfreude auf den Abend … das ist doch auch etwas!“ „Ja? Was ist das denn?“ Er war aufgesprungen … zornig … und seine Stimme wurde immer lauter, überschlug sich fast. „Was ist das denn für ein Leben? Wo ich die meiste Zeit ohne Dich verbringen muss, obwohl ich etwas ganz anderes will! Ich möchte mit Dir leben … meinen Tag mit Dir teilen … und die Nacht. Ich möchte mit Dir eine Familie gründen, mit Dir und unseren Familien und Freunden feiern. Ich möchte etwas aufbauen, eine Zukunft haben. Aber …“, und an der Stelle wurde seine Stimme wieder leiser und traurig, „aber das scheint nicht das zu sein, was Du Dir für Dein Leben wünschst.“
„Mein Liebster … wie kannst Du denn nur so etwas sagen?“ antwortete sie erschrocken. „Natürlich wünsche ich mir so ein Leben, aber … Du weißt doch … es geht nicht!“ Ihre Worte waren beschwichtigend gemeint, doch sie erreichten das Gegenteil. „Warum soll es nicht gehen? Warum um Himmels Willen nicht? Wir haben es doch noch gar nicht versucht … wir geben schon auf, bevor wir den ersten Schritt gemacht haben. Komm, wir gehen zu Deinem Vater!“ Energisch griff er nach ihrer Hand und wollte sie mit sich ziehen, doch sie wehrte sich heftig. „Nein, hör auf, bist Du verrückt geworden? Er wird Dich umbringen …“ Immer heftiger begann sie, sich zu wehren, schlug mit den Armen um sich. „Bist Du verrückt geworden?“
Er hielt ihre Arme fest und schaute sie ernst an. „Nein, ich bin nicht verrückt geworden. Aber ich weiß jetzt, was ich zu tun habe.“ Mit diesen Worten packte er sie und hob sie hoch, und obwohl sie sich weiter heftig wehrte, trug er sie fort … und je näher sie sich ihrem Dorf näherten, umso fester wurde sein Schritt.
Die Kinder des Dorfes hatten sie schon von weitem entdeckt und liefen ihnen entgegen. Das aufgeregte Geplapper verstummte, als sie den entschlossenen Blick des jungen Mannes sahen, und ihre Augen weiteten sich vor Staunen, als sie erkannten, wen er da auf dem Arm trug. „Könnt ihr mir zeigen, wo ich ihren Vater finde?“
Und dann standen sie sich gegenüber … wortlos … regungslos. Das Herz des jungen Mannes schlug heftig … die Miene seines Gegenübers war für ihn nicht zu deuten. Sollte er das Wort ergreifen? Was waren jetzt die richtigen Worte? Er holte tief Luft. „Ich liebe sie und ich möchte mein Leben mit ihr teilen!“ Keine Reaktion, keine Regung … unverändert hielt sein Gegenüber den Blick auf ihn gerichtet. Es herrschte eine gespenstische Stille …
Dem jungen Mann kam es wie eine Ewigkeit vor, bis er eine Antwort erhielt: „Du hast sehr viel Mut bewiesen. Und Du scheinst das Herz meiner Tochter erobert zu haben. Etwas, was ich selber noch nicht geschafft habe.“ Es vergingen einige Minuten, bevor er weitersprach. „Vielleicht gelingt es mir ja mit Deiner Hilfe … sei Willkommen in unserer Familie!“


